moodle: Trenne Content und Aktivität

Ein Rezept für moodle mit einem Schuss mediabird

Nachfolgend will ich nur schnell eine Konzeptidee anreißen. Gedankensplitter, aber noch nichts wirklich ausgereiftes…

Neues Schuljahr – alte moodle-Kurse

Jedes Jahr einfach die alten moodle-Kurse nehmen. Aktivitäten leeren und ganz nach Belieben komplett oder nach und nach freischalten, das wäre doch zu einfach. Und geht irgendwie nicht. Die Kurse aus meinen letzten Schuljahren sind einfach jedes Jahr neu zu strukturieren. Gerade IT-Themen wandeln sich einfach zu schnell.

Also schnell eine Idee. Angeregt von der moodlemoot 09 in Bamberg (hier muss ich noch den Link zum Vortrag on Marc Lachmann reinkopieren….)  schwebte mir also schon länger die Überlegung einer Umstrukturierung vor. Ganz so weit wie Marc möchte ich nicht gehen und „Superstudents“ ernennen – zumindest noch nicht. Aber die Trennung von Material (Content) und Aktivitäten (also Unterrichtsverlauf im Schuljahr) ist vielleicht die derzeit optimalste Lösung.

Trennungsidee:

1. Content

Ich erstelle (oder überarbeite alte) einen Materialkurs pro Fach/Thema. Dieser enthält – wie ein Schulbuch – aber halt webmäßig – das Material. Sorry liebe moodle-Freunde, aber dies ist zunächst die gute alte „elektronische Wäscheleine (vgl. U. Montgomery). Idealerweise ist hier nur Copyleftmaterial drin. Die Rechte können dann „Gastzugang“ werden. Ja der Schüler darf dann wirklich anonym stöbern. Ich muss ja nicht schauen, wer, wann, was angeschaut hat.  Wer will schon alles überwachen?  Diese Materialien müssten ja nicht einmal in einem moodle liegen…

2. Aktivitäten

In einem Klassenraumkurs erhält die Klasse den Raum für Aktivitäten:

  • Nachrichtenforum: Lehrer verkündet Wichtiges…
  • Klassenforum: Offen für alles zumindest schulische.
  • Fachforum: Hier kann der Unterrichtsverlauf aktiviert werden. Aufgabenstellungen Lösungen und Kommunikation….
  • Chat: aber mit Protokoll, für schnelle Notizen.
  • Glossar: Fachlexikon
  • Wiki: Fachwiki
  • Persönliche Wikis – Mit getrennten Gruppen und jeweils nur einem Teilnehmer. Hier kann jeder „alleine“ (mit Lehrer)  mitschreiben. Spätere Freigabe erwünscht..
  • Feedback für Evaluation und Umfragen.

Das wäre die Grundausstattung.

Also Moodle-Kurs mit gerademal einem Themnblock.

Ja und dann noch die Möglichkeiten zur Selbstkontrolle: Tests und Lektionen, vielleicht auch ein Workshop. Vielleicht ein Testhighscore der besten Drei. Aber bitteschön: Ich möchte moodle nicht zur Leistungsbewertung miss-/ge-brauchen. Das erscheint mir zu demotivierend.

Ja und abgerundet wird das ganze durch den Einsatz der moodle-Erweiterung  mediabird, einem wirklich tollen persönlichen kursübergreifenden Notizblock mit Teamfunktionen und Karteikartensystem. Hier bekommen die Schülerinnen und Schüler die freie Verantwortung für ihre Notizen und auch dafür wer diese einsehen kann. Das ist zwar noch kein Portfolio-Tool, aber es funktioniert einfach intuitiv.

Jetzt also ran an den Feinschliff. Kurse umbauen, Schülerinnen und Schüler Zugang geben und Lernerfolge begleiten.

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16 Responses to moodle: Trenne Content und Aktivität

  1. Andreas Kalt sagt:

    Klasse Idee – vielen Dank für den Hinweis. Er kam noch rechtzeitig bevor ich nächstes Schuljahr meine ersten umfangreicheren Moodle-Kurse anlegen werde.

  2. AnONFaker sagt:

    „Vielleicht ein Testhighscore der besten Drei. Aber bitteschön: Ich möchte moodle nicht zur Leistungsbewertung miss-/ge-brauchen. Das erscheint mir zu demotivierend.“

    Sicherlich eine schöne Idee aber ich vermute dem Schüler wird trotz allem das Gefühl einer Bewertung vermittelt, zwar würde es die ersten 3. wohl anspornen und weiter Motivieren aber würde dadurch nicht etwa noch mehr Druck auf die anderen aufgebaut?

    • watueueh sagt:

      Ja, da ist was dran. Die Testhighscore-Anzeige ist sicherlich nur mit Rücksprache sinnvoll. Manche Klassen finden das einfach interessant. …

  3. mccab99 sagt:

    Die Idee mit dem Content-Kurs finde ich auch gut. Trotzdem würde ich lieber alle Materialien und Aktivitäten in einem Kurs versammelt sehen – ich empfinde das als eine Stärke von Moodle, dass man diese Dinge an einer Stelle konzentrieren und nicht webmäßig „splattern“ muss. Über die Importfunktion sollte das auch recht schnell gemacht sein – dabei hilft dann natürlich ein Contentkurs, der Inhalte konzentriert. Ob ich jetzt Links setze oder importiere, sollte vom Arbeitsaufwand recht egal sein.

    Ich versuche gerade über das Design (z.B. mit Menubar) die für mich und viele SuS etwas verworrene Navigation zu vereinfachen.

    • watueueh sagt:

      Danke für Dein Feedback

      Ja die Konzentrierung wäre noch schöner, wenn ich (und andere) den SuS nur genau einen Klassenraum-Kurs geben könnten. Darin sind dann alle Fächer und damit auch alle Lehrer versammelt und berechtigt. Und dann blickt vielleicht keiner mehr durch. Die Trennung ermöglicht die Redundanzreduzierung der festen Inhalte. Diese müssen dann schon über den Aktivitätskurs direkt erreichbar sein. Wichtig ist dabei sicherlich die jeweilige Entscheidung „in neuem Fenster öffnen“ zu setzen.

      Hier stelle ich mir einen „Hauptkurs“ vor, der alle weiteren Fächer, AGs etc. verlinkt. Das ist aber zunächst vermutlich Handarbeit pro Klasse.

      Alles in allem bleibt auf jeden immer wieder das Ziel „Simplify your moodle“.

  4. Uwe Klemm sagt:

    Sehr interessanter, wenn auch zunächst gewöhnungsbedürftiger Ansatz. Die veränderte Perspektive auf Moodlekurse setzt überdenkenswerte Akzente… Ich gebe zu, dass ich in Fortbildungen etc. die „reine“ Repository-Idee (Materialkurse) bestenfalls als „Einstiegsdroge“ in Moodle empfehle -unter Nutzung der Montgomery-Wäscheleine – oder aber als Baustein eines entsprechend angelegten Präsenzunterrichts.
    Aber Deine Idee einer Zweiteilung hat schon auch was richtig Bedenkenswertes…. Könnte man einen solchen Kurs irgendwo als Gast betrachten?

    Sehe ich das richtig, dass Du relativ stark auf den einzelnen Lerner abzielst? Das ist jetzt keine Kritik – nur Verständnisfrage! Hintergrund: Ich versuche so weit wie irgend möglich die Funktionren von Moodle zur Unterstützung von sozialen Arbeitsformen zu nutzen, weil ich die auf diesem Wege effizienter organisieren kann als im „Normalunterricht“ (mag auch an meiner sonstigen methodischen Unbedarftheit liegen ;-)) – und aus dem Blickwinkel heraus stell ich gern Vergleiche mit etwas anderen Ansätzen an.

    Danke für die Anregung!

    • watueueh sagt:

      Ja, die Zielrichtung ist so gemeint:

      1. „Repository-Idee (Materialkurse)“ idealerweise vernetzt und offen für Gäste und auch als „Einstiegsdroge“ in Montgomery-Wäscheleine. Content verbindet, wenn er freigegeben ist. Hier fehlt auch mir noch die Zeit, meine bisherigen Inhalte so abzuspecken, dass ich ohne Copyright-Probleme offenen Zugang gewähren kann. Ob es mal eine „moodle-Pedia“ mit freien Kursen oder auch SCORM-pedia für kompatible Systeme geben wird? Ich hoffe. Es wird kommen! 🙂 Und moodle 2.0 wird dies bestimmt pushen.

      Aber dies tritt für mich momentan auch stark in den Hintergrund, da ich aktuell in vielen Stunden Fachbücher (auf Papier 😉 ) begleitend zur Verfügung habe.

      2. Lernern mehr Freiheiten geben, ohne noch ein weiteres System zu aktivieren. Ich weiß, dass Tools wie mahara noch mehr Wertschätzung den Nutzern entgegenbringen, da er/sie es entscheidet, was von wem gesehen werden darf. Aber dies ist momentan bei uns noch nicht produktiv einsetzbar, mangels Admin-Ressourcen. Oder wir gehen ins Weite Web 2.0, ohne dass die SuS sich „verlaufen“…

      Ich sehe aber auch in moodle die Möglichkeit, den „Lerner“-Rollen-Nutzern Rechte zur Veröffentlichung zu geben. Die Einstellung der Aktivität entscheidet darüber, wie viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

      Wichtig erscheint mir EINEN zentralen Einstiegspunkt zu haben. Und dies ist nicht mehr die Kursansicht, sondern die Ansicht des Glossars als „Digitales Klassenbuch“ mit vorausgewählter Kategorie „Tageseintrag“. Hier werden von den SuS im Laufe der Stunden jeweils von ein Eintrag vorgenommen – mit Verlinkung auf die an diesem Tag relevanten genutzten Ressourcen (Material, Forum, Wiki, Web…)

      Das ist ein Perspektivwechsel. Ein Kritikpunkt oder auch Vorteil gegenüber reinem web2.0 bleibt: moodle ist in dem 2. Kurs eine Insel. Nur die SuS und der/die LuL sind dort „unter sich“. Dies kann oder muss so sein. Die Häfen in die Welt sind aber leicht per Link, OpenID, externe Blogs etc. integrierbar, wenn die Zeit (Verantwortung) für die Inselbewohner genug gereift ist.

      • Uwe Klemm sagt:

        Alles bedenkenswert. Danke für den ausführlichen reply 🙂
        Das mit dem Glossar als Klassenbuch klingt interessant…

        Die Anpassung der Rollen ist in der Tat ein mächtiges Werkzeug – damit experimentiere ich in letzter Zeit. Spannend, was damit möglich ist (von der eingeschränkten Anpassbarkeit der Gästerolle mal abgesehen).

        Wie gesagt – wenn man mal (Gast-)Zugriff auf einen solchen Kurs krtiegen könnte….Gerne auch per PM. Im Gegenzug stehn alle von mir verantworteten Kurse offen!

        Nochmals meinen Respekt vor den originellen Zugriffen 🙂

  5. watueueh sagt:

    Eine Anpassung der Rollen ist initial gar nicht notwendig, solange ich einfach die vorhandenen Aktivitäten und deren Rollenkonzept betrachte:
    Z.B.:
    Forum Jederzeit schreiben und antworten, 30 Min. änderbar, danach „eingefroren“ -> regt zu genaueren Formulierungen an…
    Glossar: Jeder kann eigen Beiträge jederzeit schreiben und auch eigene Beiträge ändern. –> auch Gedankensplitter sind möglich, da später geändert werden kann. Über Kategorien können Strukturen geschaffen werden.
    Wiki: Jeder kann „überall“ jederzeit schreiben und ändern

    Wichtig dabei: Es gibt nicht für jedes Thema immer eine eigene Aktivität, sondern genau jeweils eine. Nur ein Fachforum, Ein Fachwiki… Das kann dann auch Fachübergreifend reduziert werden, soweit die Lehrenden dies miteinander. Also für die Klasse für all Fächer nur ein „Klassenwiki“…

    Ich werde noch ein paar Tage/Wochen feilen und dann mal einen Muster-Klassenraum für Aktivitäten dokumentieren.

    Stay tuned

  6. Sigi sagt:

    Hallo zusammen, irgendwie ist mir der Originalbeitrag in den Ferien durch die Lappen gegangen. Daher jetzt meine späte Antwort:
    Auch ich habe mit Ulrikes Wäscheleine vor 3 oder 4 Jahren angefangen, dann aber recht schnell die tollen Möglichkeiten von Moodle mit Ulrikes Anregung entdeckt. Mittlerweile gibt es in meinen neueren Kursen fast keine hochgeladenen Dateien mehr, sondern Links, eingebettete Codes u.v.m – das heisst meine Inseln haben Verbindung zu den Weltmeeren. Die Kommunikation und Kollaboration findet über Foren, Glossaries und Wikis statt – und diese werden von den Schülern gestaltet und gefüllt. Die Idee mit den Kurzprotokollen des Unterrichts setzen wir in einem eigens dafür angelegten Forum um, mit entsprechenden Datumseinträgen und Verlinkungen auf die verwendeten Aktivitäten und Materialien.
    Den Clou mit der Trennung haben wir jetzt auch etwas anders gelöst, denn mich hat es schon immer gestört, dass die Schüler ihre Arbeiten hochladen und dann ruhen die dort in den jeweiligen Units- und kein anderer Schüler hat Zugriff darauf. Das ist zwar praktisch für den Lehrer, weil er immer sofort sieht, wer was wann abgeliefert hat oder nicht, aber es ist eigentlich ein bisschen ein Kontrollinstrument.
    Unsere Lösung heisst Mahara , das haben die Schüler mit mir im ersten Jahr gelernt und im Praktikum dann gleich sehr schön umgesetzt. Mahara als schülereigenes ePortfolio ist die perfekte Ergänzung zum klasseneigenen Moodlekurs und meine Englischschüler laden jetzt ihre Aufgaben zu unseren Projekten und Texten nicht mehr in die Moodle Aufgaben hoch, sondern stellen diese in ihre jeweilige Ansicht als Blogeinträge. Da sie „Ihre Ansicht“ frei gestalten können, finden dann dort auch andere Elemente wie Bilder, Videos, Podcasts etc ihren Platz und die Schüler haben am Ende des Jahres all ihre Arbeiten und Reflektionen an einer Stelle. Ich bin mir sicher, der Lerneffekt wird dadurch größer, weil auch die anderen Schüler die Möglcihkeit haben- bei entsprechender Freigabe für die Gruppe, diese Ansichten zu sehen und sich – hopefully – inspirieren zu lassen oder auch Feedback zu geben. Das ist jetzt ein neuer Ansatz, moodle und mahara zu kombinieren und am Jahresende kann ich sicher dazu mehr sagen. Auf jeden Fall entspricht dies auch der Trennung von angebotenen Inhalten und Schülerleistungen. Wir haben natürlich nach wie vor gemeinsame Aktivitäten im Moodle wie die Foren, die Glossaries und die Wikis, daran arbeiten dann alle gemeinsam.
    Würde mich mal interessieren, ob jemand schon ähnliche Konstellationen ausprobiert hat- möglicherweise dann auch mit Blogs in WordPress oder Blogger- auch freie Wikis sind ja hier denkbar- denke da an Wetpaint o.ä.
    Hoffe, die Diskussion geht hier weiter, denn da befinden wir uns an der kritischen Stelle, wo sich auch der Unterricht grundlegend ändern muss, um mit diesen Szenarien erfolgreich zu sein. Bin gespannt auf die Fortsetzung 🙂

    • watueueh sagt:

      Sigi, ich danke Dir für die umfangreichen Ausführungen. Ich sehe auch Portfolios als riesige Chance. Den Einstieg dahin werde ich auch wagen. Aber später. Ich bin gespannt auf deine Berichte.

  7. […] Ich werde meine Altkurse der letzten Jahre in den nächsten Wochen entschlacken (personenbezogenens raus, Inhalte, die nicht überzeugt haben raus, etc. ) und dann hoffentlich hier reinpacken. Höhere Prio hat für mich aber der „Standard Klassenraumkurs, an dem ich momentan noch feile. Das Grundkonzept „Trenne Content und Aktivität“ findet ihr hier: https://watueueh.wordpress.com/2009/08/18/moodle-trenne-content-und-aktivitat […]

  8. Uwe Klemm sagt:

    Frage nach längerer Zeit: Hast Du inzwischen mit Deinem Modell mehr Erfahrungen gesammelt – und wie stellt sich die Konstruktion jetzt für Dich dar?

    Neugierig,

    Uwe

    • watueueh sagt:

      Ja, der Aktivitäts-Kurs wurde in mehreren Klassen intensiv genutzt. Ich werde in den nächsten Tagen ein anonymisiertes Extrakt erstellen – und auch eine Leer-Version als Download. Das Ganze gibt es dann auch auf der MoodleMoot in Berlin voraussichtlich am Donnerstag zu sehen.

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